Wo geht die Reise hin?

Überlegungen zur Zukunft der (digitalen) MitgliederparteiLink zur Session

Wie viele andere Lebensbereiche hat die Coronapandemie auch die politischen Parteien und politische Partizipation grundsätzlich in den Ausnahmezustand versetzt. Persönliche Treffen und Versammlungen waren aufgrund der Eindämmungsmaßnahmen nicht mehr möglich, die Mitgliederpartizipation fand infolgedessen überwiegend in digitalen Räumen statt. Doch ist das ein Modell für die Zukunft? Dies soll in der Session mit den Teilnehmenden diskutiert werden.

Die digitale Transformation stellt politische Parteien vor große Herausforderungen. Als intermediäre Organisationen müssen sie sich den Logiken des Wandels, verursacht durch soziale Netzwerke, Messenger oder Suchmaschinen, anpassen. Dazu gehört auch Strategien zu entwickeln, die das Vertrauen der Bevölkerung in Politik und Parteien zu stärken. Auf der Ebene der Parteimitglieder beeinflussen digitale Interaktionen soziale Beziehungen und damit die Mechanismen, wie sich Mitglieder innerhalb einer politischen Organisation wahrnehmen, miteinander kommunizieren, ihr Wissen generieren, ihren politischen Willen bilden und Entscheidungen treffen. Infolgedessen ist auch die Mitgliederpartizipation seit längerem im Zuge der digitalen Transformation im Wandel begriffen. Allerdings war der Wandlungsprozess vor allem durch Abwägungen, zurückhaltende Entwicklung und Stagnationsphasen geprägt. Für substanzielle Veränderungen brauchte es immer wieder starke Impulse von außen. Die Coronapandemie mit ihren einhergehenden Maßnahmen zu Eindämmung ist als ein solcher Impuls zu verstehen. Sie forcierte die Nutzung digitaler Technologie zur Kommunikation und Partizipation innerhalb der Partei. Gleichzeitig hat sie die Schwelle für Bürger*innen außerhalb der Institution der repräsentativen Demokratie politisch teilzuhaben gesenkt: In Form von (digitalem) Protest, (digitalen) Bewegungen und neuen Parteien. Das übt Reformdruck auf etablierte Parteien aus.

Im Rahmen der Session stehen daher folgende Fragen im Zentrum: Wie wirken sich die Erfahrungen aus der Pandemie auf Entscheidungsprozesse, politische Partizipation und Kommunikation in, um und durch Parteien aus? Zu erwarten ist, dass die Eckpfeiler für einen beschleunigten Transformationsprozess in der Pandemie gesetzt wurden, es aber noch Raum für Anpassungen gibt. Kann diese Fortentwicklung eine Chance für die zukunftsfähige Mitgliederpartei sein? Und was sind die Fallstricke einer vermehrt digitalen Beteiligung?

Im Rahmen der Session wir einen Forschungsimpuls zum Thema „Zukunft der (digitalen) Mitgliederpartei“ gegeben und in einem Expertengespräch Überlegungen dazu angestellt, wie sich die Erfahrungen aus der Pandemie auf die politische Partizipation und Kommunikation in, um und durch Parteien auswirken. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen der Session werden die Kernthesen der Debatte diskutiert und erörtert, inwiefern parteipolitisches Engagement in Konkurrenz zu anderen Partizipationsformen online und offline steht und welche Bedingungen es braucht, damit Digitalisierung als Treiber für Mitgliederpartizipation fungieren kann.

Referentinnen:

Dr. Kristina Weissenbach (Professorin Universität Duisburg-Essen)

Prof. Dr. Isabelle Borucki (Professorin Philipps-Universität Marburg)

Stine Ziegler (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Duisburg-Essen)

Session-Partner: Universität Duisburg-Essen
Mi 16:00 - 16:45
100 max
KEYNOTE